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Zum Werk

Der Komponist

Georg Friedrich Händel (1685 - 1759) wurde im gleichen Jahr geboren wie Johann Sebastian Bach (1685 - 1750). Während Bach zeitlebens in deutschen Landen wirkte, zog es Händel - getrieben von einer grossen Begeisterung für das Musiktheater - schon in jungen Jahren nach Italien, wo die Oper Triumphe feierte. In Florenz, Rom, Neapel und Venedig kam er in freundschaftlichen und lehrreichen Kontakt mit den führenden italienischen Komponisten (Corelli, Scarlatti). Es fehlte auch nicht an wohlhabenden Mäzenen. Mit der Erfüllung ihrer Kompositionsaufträge erwarb sich Händel Ruhm und Ehre. 1710 kehrte er nach Deutschland zurück und wirkte für kurze Zeit als Kapellmeister am Opernhaus von Hannover. Dann zog er weiter nach London, wo er 1711 mit der Oper Rinaldo seinen Ruf als einer der bedeutendsten Komponisten Europas bestätigen konnte.
London wurde zu Händels neuer Heimat. Hier erwartete ihn ein wechselvolles Schicksal. Er avancierte bald zum gefeierten Staatskomponisten mit einer festen Rente, war aber auch gefragt als virtuoser Cembalist und Organist. Mit ungeheurer Schaffenskraft kom-ponierte er in allen Sparten: Instrumental- und Vokalwerke, Bühnen-, Orchester- und Kammermusik. 1719 wurde er künstlerischer Leiter der neugegründeten Royal Academy of Music. Seine italienischen Opern fanden grossen Beifall. Sie zogen vor allem die gehobene Gesellschaft in ihren Bann. Andere Londoner Theater, die in englischer Sprache spielten, wurden zur bedrohlichen Konkurrenz. Unter den Künstlern und Gönnern entstanden zudem Intrigen und Rivalitäten. 1728 musste die Royal Academy of Music ihre Pforten schliessen. Die Schwierigkeiten erschütterten nicht nur Händels Finanzen, sondern nagten auch an seiner Gesundheit bis hin zu einem körperlichen Zusammenbruch (Schlaganfall?), den er in Aachen zielstrebig auszukurieren vermochte. Wieder arbeitsfähig schrieb er nun auch Oratorien in englischer Sprache, pflegte daneben die italienische Oper weiter, bis er im Frühjahr 1741 nach schlecht besuchten Aufführungen erkennen musste, dass diese Bühnengattung in London keine Zukunft mehr hatte. Enttäuscht zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Wenige Monate später, am 10. Juli 1741, schrieb der englische Dichter Charles Jennens an einen Freund: Händel äussert, er wolle im kommenden Winter nichts machen, aber ich hoffe, ihn überreden zu können, eine weitere Sammlung von Bibeltexten, die ich für ihn erstellt habe, zu vertonen und das Werk dann in der Karwoche zu seinen eigenen Guns-ten aufzuführen. Ich hoffe, dass er sein ganzes Genie und alle Kunstfertigkeiten daran setzen wird, so dass die neue Komposition alle früheren übertreffen wird - so wie das betreffende Thema alle anderen überragt. Das Thema ist der Messias.
Jennens hoffte nicht vergebens. Sein Libretto befreite Händel aus der Niedergeschlagenheit. Einer gewaltigen Inspiration folgend schrieb er in nur 24 Tagen, vom 22. August bis zum 14. September 1741, die Musik zum Messias nieder. Im Rahmen einer Konzertreihe, zu der er nach Dublin eingeladen worden war, führte Händel das Oratorium zum ersten Mal auf, und zwar als Wohltätigkeitskonzert zugunsten von Strafgefangenen und Waisenkin-dern. Am 13. April 1742 lauschte ein zahlreiches Publikum fasziniert den Klängen, die seither nicht mehr aus dem Konzertleben wegzudenken sind. Die besten Kunstrichter gaben zu, dass es sich um das vollendetste Musikwerk handle, das jemals gehört worden sei, war darauf in der Dubliner Presse zu lesen, Worte fehlen, um den erlesenen Genuss zu beschreiben, den das Werk der dicht gedrängten, bewundernden Hörer-schaft bereitete.

Zum Libretto

Händels Messias (deutsch der Gesalbte) ist also nicht von der Kirche in Auftrag gegeben worden und war auch nicht für einen kirchlichen Gottesdienst gedacht. Wie oben erwähnt, ging die Initiative von privater Seite aus.
Der englische Dichter und passionierte Musikfreund Charles Jennens (1700 - 1775) empfand Händel gegenüber grosse Bewunderung. Für ihn hatte er bereits das Libretto zum Oratorium Saul verfasst, wahrscheinlich auch jenes zu Israel in Ägypten. Jennens verfügte über eine beachtliche theologische Bildung und war ein engagiertes Mitglied der anglikanischen Kirche. Was ihm grosse Sorge bereitete, war eine neue, von der Aufklärung beeinflusste religiöse Strömung, die sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England immer mehr ausbreitete: der Deismus. Die Anhänger dieser Glaubensrichtung vertraten die Ansicht, Gott habe sich nach der Erschaffung der Welt vollständig zurückgezogen; in den weiteren Weltenlauf habe er nicht mehr eingegriffen. Deshalb lehnten die Deisten auch einen Gottessohn ab, der sich für die Menschheit geopfert haben soll. Dieser Hal-tung stellte sich Jennens mit seinem neuen Libretto vehement entgegen. Anhand ausgewählter Bibelverse legte er dar, wie Gott die in Sünde verstrickte Menschheit zur Erlösung führt. Dabei konnte Jennens manche Zitate dem Common Book of Prayer entnehmen, dem Gebetbuch der Anglikanischen Kirche. Das Oratorium ist somit ein grosses persönliches Bekenntnis zur christlichen Heilslehre, dargelegt in drei Teilen:
Erster Teil: Weissagungen vom Kommen des Messias. Verkündigung seiner Geburt an die Hirten
Die Hinwendung des Messias zu den Menschen (Nummern 1 - 19).
Zweiter Teil: Passion und Tod des Messias - seine Auferstehung und Himmelfahrt - Verkündigung des Evangeliums in alle Welt - Widerstand der heidnischen Völker - Sieg und ewiger Triumph des Christentums (20 - 42).
Dritter Teil: Der Messias als Erlöser: Auferstehung der Menschen ins ewige Leben - Anbetung des Messias im Himmel durch die Seligen (43 - 52).

Zur Musik

Wie oben erwähnt, befand sich Händel nach dem Fiasko seiner letzten Oper im Zustand lähmender Niedergeschlagenheit, als Jennens’ Libretto unerwartet bei ihm eintraf. Offensichtlich war dessen Inhalt die richtige Medizin, ihn wieder in Fahrt zu bringen. Er stand nun im Alter von 56 Jahren, konnte also aus langer, reicher Erfahrung schöpfen. Sein ausgeprägter Sinn für Dramatik, sein Vermögen, den emotionalen Gehalt eines Textes treffend in ein-gängige und doch nie banale Musik umzusetzen, verhalfen dem Libretto zu immerwährender Beliebtheit.
Dem Oratorium ist grosse Dynamik eigen. Melodien von genialer Schlichtheit in betörendem Belcanto wechseln mit durchsichtig gebauten Fugen und Fugati, aber auch mit grossen, majestätischen Klän-gen. Händels Erfahrungen mit den Ansprüchen ehrgeiziger Opernsänger verraten sich besonders in jenen Arien, die den Solisten ermöglichen, mit virtuosen Koloraturen zu brillieren. Die Chöre geben das jeweilige Empfinden der Volksmenge wieder: Tänzerisch froh äussert sich das Erwarten des verheissenen Erlösers. Stockend und düster erklingt die Selbstanklage angesichts der Passion Christi. Mitreissenden Jubel löst der Sieg des christlichen Friedensfürsten aus: Halleluja! Der abschliessende Amen-Chor steigt mit seiner musikalisch kunstvoll verwobenen Dichte in entrückte Sphären auf. Ich dachte, ich sähe den Himmel vor mir und den grossen Gott selber! soll Händel berichtet haben. Obschon diese berühmt gewordenen Worte nicht gesichert sind, glaubt man sie gerne.

Verena Stähli

 

 

Mehr über die Werke erfahren Sie im Programmheft (PDF 1.2MB)

 

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Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
22.01.12 16:00 Uhr, Kulturcasino Bern

28.01.12 17:00 Uhr, Stadtkirche Thun

29.01.12 16:00 Uhr, Stadtkirche Thun

 
 

Informationen zu unserem letzen Konzert finden Sie hier: Franz Schubert, Stabat Mater, Messe Es-Dur.

 
 

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